Samira Saidi – beyond lost roads

17.04.25
Die Fotografin, Schriftstellerin und Menschenrechtsexpertin Samira Saidi untersucht in ihren essayistisch angelegten Fotoarbeiten soziologische Strukturen von Zugehörigkeit, Ethnie und intersektionalen Identitäten. Ausgehend vom Körper sucht sie auch nach Möglichkeiten, diese zu verändern.
(English version below)
Fotografin: Samira Saidi
Laufzeit: 18.4.–18.5.2025
Kurator: Martin Grabner
„Ghana wächst. Mit einer der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Afrikas entwickelt sich das Land zu einem zentralen Knotenpunkt für Handel, Innovation und Kultur. Die Hauptstadt Accra pulsiert: Märkte sind voller Leben, neue Architektur prägt das Stadtbild, und eine junge, kreative Szene macht sich international einen Namen. Doch mit dem Wachstum verändert sich auch das Stadtbild auf andere Weise – Müll wird zum ständigen Begleiter des Alltags.
Öffentliche Abfallbehälter sind selten, eine systematische Müllentsorgung bleibt für viele unerreichbar. Ohne Alternativen landet der Abfall in Straßen, Wasserwegen oder wird verbrannt – mit weitreichenden Folgen. Verstopfte Kanäle lassen Regenwasser nicht mehr abfließen, Überschwemmungen werden zur Gefahr. Überquellende Straßenränder beeinträchtigen die Sicherheit, während die Umwelt unter der unkontrollierten Anhäufung von Abfall leidet.
Doch aus dieser Realität heraus entsteht Bewegung. Wo offizielle Strukturen versagen, übernehmen Menschen selbst Verantwortung. Sie kehren Straßen frei, räumen Wasserwege, schaffen Bewusstsein. Inmitten von Herausforderungen wachsen neue Wege – geformt von denen, die sich nicht mit dem Bestehenden abfinden.
In jedem Handgriff, in jeder Geste liegt die Spur des Wandels – sichtbar für jene, die jenseits verlorener Wege blicken.“ (Samira Saidi)
Samira Saidi ist eine ghanaisch-österreichische Künstlerin. Ihre transmediale Praxis verbindet kreativen Ausdruck und Arbeit für soziale Gerechtigkeit. Dabei baut sie toxische Stereotype im visuellen Geschichtenerzählen ab und bietet alternative Perspektiven, um Unterrepräsentiertes zu verstärken. Samira Saidi studierte an der Königlichen Kunstakademie in Den Haag und an der Universität für Angewandte Kunst Wien. Website: https://samirasaidi.com
Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung: Vernissage am 17.4.2025; Finissage am 17.5. im Rahmen der Galerientage. Der ORF-Steiermark berichtete über diese Ausstellung und die off_gallery in seinem Fernsehbericht über die Galerientage. Einen Audiobericht über die Vernissage brachte Radio Helsinki; er ist hier nachzuhören (ab Minute 32).
Einladungskarte (PDF) herunterladen
English version:
Samira Saidi - beyond lost roads
“Ghana is growing. With one of the fastest growing economies in Africa, the country is developing into a central hub for trade, innovation and culture. The capital Accra is buzzing: Markets are full of life, new architecture characterizes the cityscape and a young, creative scene is making a name for itself internationally. But as the city grows, the cityscape is also changing in other ways - garbage is becoming a constant part of everyday life.
Public waste garbage cans are rare and systematic waste disposal remains out of reach for many. Without alternatives, waste ends up in streets, waterways or is incinerated – with far-reaching consequences. Blocked drains no longer allow rainwater to run off and flooding becomes a danger. Overflowing roadsides compromise safety, while the environment suffers from the uncontrolled accumulation of waste.
But movement is emerging from this reality. Where official structures fail, people take responsibility themselves. They sweep roads clear, clear waterways, create awareness. In the midst of challenges, new paths are being forged - by those who refuse to resign themselves to the status quo.
In every movement, in every gesture lies the trace of change – visible to those who look beyond lost paths.” (Samira Saidi)
Samira Saidi is a Ghanaian-Austrian artist. Her transmedia practice combines creative expression and social justice work. In doing so, she dismantles toxic stereotypes in visual storytelling and offers alternative perspectives to amplify the underrepresented. Samira Saidi studied at the Royal Academy of Art in The Hague and at the University of Applied Arts Vienna. Website: https://samirasaidi.com
Bild/Picture: (c) Samira Saidi
Ansichten der Ausstellung
Die BUZ STOP BOYS
Die BUZ STOP BOYS
Am Rande von Accra, Ghanas Hauptstadt, schlossen sich sechs junge Männer zusammen, um den wachsenden Müllbergen entlang der Hauptstraßen etwas entgegenzusetzen. Was als kleine Initiative begann, wurde schnell zu einer Bewegung. Ein Jahr nach ihrer ersten Aktion zählen die BuZ Stop Boys bei jeder Reinigung 40 bis 60 Helfer:innen. Sie arbeiten an strategisch gewählten Orten – dort, wo Müll bereits schwere Folgen hat: Verstopfte Abflüsse führen zu Überschwemmungen, zugewachsene Straßenränder verursachen Unfälle. Besonders während der Regenzeit, ihrer Hochsaison, werden Notfallräumungen notwendig, um Katastrophen zu verhindern.
Seit Beginn dieser Dokumentation sind die BuZ Stop Boys weit über die Grenzen ihrer Stadt hinaus bekannt geworden. Mit über 60.000 Followern auf Instagram nutzen sie soziale Medien nicht nur zur Mobilisierung neuer Freiwilliger, sondern auch zur Aufklärung über nachhaltige Müllentsorgung und Umweltschutz. Ihre Arbeit wurde mit bedeutenden Auszeichnungen gewürdigt, darunter der Environmental Prize of Ghana und der Presidential Special Initiative Award. Trotz begrenzter Mittel leisten sie Tag für Tag Arbeit, die Leben verändert – von Müllsammelaktionen bis hin zu Bildungsprogrammen für Jung und Alt. Mindestens einmal pro Woche, trotz sengender Hitze, kommen die BuZ Stop Boys zusammen, um ihre Stadt ein Stück lebenswerter zu machen.
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