(c): Olia Fedorova 2024

: Geister der Erinnerungen / Erinnerungen an die Geister

Künstlerin: Olia Fedorova:

Laufzeit: 23.8 - 13.9, Di-Fr 13-17

Kuratorin: Eva Fomitski

Olia Fedorova (geb. 1994) ist eine multidisziplinäre Konzeptkünstlerin aus Charkiw, Ukraine. Nach dem Beginn der russischen Invasion im Jahr 2022 floh sie nach Graz und setzt dort ihre Arbeit fort.

Seit ihren Anfängen arbeitet Olia als Performance-, Fotografie- und Videokünstlerin vor allem mit den natürlichen Landschaften ihrer Heimatregion, der Ostukraine. Eine Konstante ihrer künstlerischen Methode war die physische Präsenz in dieser Umgebung, in die sie mit ihrem eigenen Körper eingriff oder unbelebte Objekte einbrachte. Durch den globalen Lockdown im Jahr 2020 verlor sie zum ersten Mal den Zugang zur Landschaft und musste einen anderen Weg finden, um damit zu interagieren. So entstanden die ersten Collagen der Serie "Reused landscapes". In dieser Werkserie manipulierte Olia die Bilder der Landschaften, die sie bei ihren früheren Kunstprojekten aufgenommen hatte, und ersetzte die dokumentierten Spuren ihrer physischen Anwesenheit durch die Elemente der digitalen Welt. Mit dem Spiel von Pixelschatten, die von den grafischen Grundformen auf eine Landschaft geworfen werden, die keine reale Landschaft, sondern nur deren Reminiszenz ist, reflektiert die Künstlerin über die Themen der Isolation und erzwungenen Abwesenheit, über verblassende Erinnerungen und Geister der Vergangenheit. Ein weiteres Werk aus der Reihe "Reused Landscapes" war eine Zusammenstellung aller Landschaften, die Olia Fedorova jemals künstlerisch betreten hatte, wobei sich alle einzelnen Horizontlinien zu einem neuen Horizont vereinigten. Das Werk wurde einmal öffentlich gezeigt. Als Olia Fedorova im Sommer 2022 aus ihrem Zuhause in Charkiw fliehen musste, blieb es dort und wurde nie wieder gefunden.

Mit der umfassenden Invasion Russlands verlor Olia erneut den Zugang zu den Landschaften ihrer Heimatregion – die Felder, Hügel und Wälder nordöstlich von Charkiw, in denen sie aufzutreten pflegte, verwandelten sich in Schlachtfelder, übersät mit Landminen und Überresten von Militärfahrzeugen. Für lange Zeit werden sie mit nichts anderem als mit Krieg, Verwüstung und Leid verbunden werden. Vertraute Orte wurden zu schattenhaften Geistern ihrer selbst, die immer wieder entschwinden, für immer verloren sind, für immer in einer Zwischenwelt stecken, weder real noch imaginär, weder anwesend noch abwesend. Sie sind so weit weg, dass man nicht mehr sicher sagen kann, ob die Erinnerungen an sie überhaupt wahr sind.

Von diesen intensiven Gefühlen, Gedanken und Fragen geplagt, setzte Olia Fedorova die Serie „Reused Landscapes“ mit den Bildern der Landschaften aus ihren Kunstwerken nach der Pandemie und vor der Invasion fort. Auf eine spezifische Weise umfassen die in der off_gallery unter dem neuen Titel „Ghosts of Memories / Memories about the Ghosts“ ausgestellten Werke die gesamte „friedliche“ Periode von Olias Landschaftsarbeit, zu der sie – selbst wenn diese ukrainischen Landschaften wieder zugänglich werden – niemals zurückkehren kann.

Die ukrainische Kuratorin, Künstlerin und Fotografin Eva Fomitski (geb. 2001) arbeitet seit 2022 in Graz. In der off_gallery hat sie 2022 die Ausstellung Discontinuity realisiert.